Ferienfahrten-Check: Worauf man vor dem Buchen einer Ferienfahrt als Elternteil oder Teilnehmer achten sollte
Jedes Jahr fahren unzählige Kinder und Jugendliche auf Ferienfahrt. Dabei läuft leider nicht immer alles zur vollen Zufriedenheit des Teilnehmers. Teilweise starten diese mit falschen Erwartungen in die Ferien, teilweise informiert der Veranstalter nicht ausführlich genug. Um solche Situationen in Zukunft eher vermeiden zu können, bietet die folgende Checkliste die Möglichkeit, die gewünschte Ferienfahrt auf viele wichtige Punkte zu überprüfen und Lücken im Vorfeld mit dem Anbieter zu klären.
Doch auch wir können hier nicht alle Punkte angeben, auf die man vor dem Buchen eines Ferienlagers oder einer Ferienfahrt achten sollte. Wir haben uns bemüht, eine möglichst vielseitige und möglichst vollständige Liste zu gestalten.
Um Fehler bei der Buchung zu vermeiden und Unklarheiten vor der Fahrt zu klären, sollte man am besten die Anmeldeinformationen (Flyer, Ausschreibung, etc.) des Anbieters auf die folgenden Informationen durchsuchen und im Zweifelsfall bei diesem nachfragen.
Sie können diese Auflistung auch als
Flyer
Vorüberlegungen
- Hat der Teilnehmer überhaupt Ferien und noch keine anderen Termine zum Zeitpunkt des Ferienlagers?
Allgemeines
- Wer ist der Anbieter der Ferienfahrt? Wer steckt dahinter? Welches Konzept vertritt dieser Anbieter?
- Hat der Anbieter schon andere Aktionen in der Kinder- und Jugendarbeit durchgeführt?
- Wer ist der Ansprechpartner bei dem Anbieter vor und während der Ferienfahrt? Wie kann man diesen erreichen?
- Gibt es einen Informationsabend vor der Reise?
- Wie viel kostet die Reise? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?
- Welche Leistungen sind im Preis enthalten?
- Wie viele Teilnehmer nehmen maximal an der Fahrt teil? Wie viele müssen sich mindestens anmelden? Bis wann kann der Anbieter die Fahrt absagen?
- Bis wann muss man sich spätestens anmelden?
- Wie groß ist die Altersspanne bei der Freizeit (Gleichaltrigengruppe oder große Altersspanne)? Gibt es davon Ausnahmeregelungen?
Finanzen und Versicherung
- Wann muss der Teilnahmebeitrag bezahlt sein?
- Wie sehen die Teilnahmebedingungen des Anbieters aus - insbesondere in Bezug auf Zahlung und Rückerstattung bei Rücktritt, Nicht-Antritt bzw. Abbruch?
- Welche Versicherungen schließt der Veranstalter ab (Haftpflichtversicherung des Anbieters, der Betreuer und für die Kinder; Reiserücktrittsversicherung im Krankheitsfall etc.)?
Fahrt zum Ferienlager
- Muss man den Teilnehmer selbst zu dem Ferienlager fahren oder wird man von dem Anbieter an einem Sammelpunkt abgeholt?
- Wie erfolgt die Anreise zum Ferienlager (Bahn, Bus, Privat-Autos, etc)? Werden die Teilnehmer dabei betreut?
Zielort und Unterbringung
- Wie ist der Zielort aufgebaut (Gefahrenstellen, Freizeitmöglichkeiten, etc.)?
- Wie ist die Unterbringung? Verträgt der Teilnehmer das Schlafen in einem Zelt oder das Schlafen mit mehreren anderen Personen in Gemeinschaftsunterkünften?
- Wie viele und welche sanitären Anlagen sind vorhanden? Wie häufig kann der Teilnehmer duschen?
- Ist am Veranstaltungsort ein Fahrzeug (bspw. zur Fahrt zum nächsten Arzt) vorhanden?
Verpflegung
- Wie viele Mahlzeiten bekommt der Teilnehmer? Muss er sich einige selbst kaufen?
- Kann der Teilnehmer ständig kostenlos an Getränke kommen oder muss er sich diese kaufen?
- Wie wird die Verpflegung für Vegetarier, Veganer und Lebensmittelallergiker geregelt?
Das Programm
- Welches Programm (Aktionen, Angebote, etc.) wird dem Teilnehmer geboten? Gibt es besondere Schwerpunkte?
- Welche Leistungen des Programms sind in dem Teilnahmebeitrag enthalten (bspw. zusätzliche Kosten für Ausflüge, Eintritte, etc.)?
- Wie werden die Teilnehmer in die Gestaltung und den Ablauf eingebunden?
- Welche Möglichkeiten stehen den Teilnehmern in der freien Zeit (bspw. Mittagspause) zur Verfügung? Wie werden diese während der freien Zeit beaufsichtigt?
Organisatorisches
- Wird vom Teilnehmer die Mitarbeit (beispielsweise Hilfsarbeiten in der Küche oder Toilettenreinigungsdienst) erwartet?
- Welche Position vertritt der Anbieter des Ferienlagers im Bezug auf elektronisches Spielzeug und Handys?
- Wie kann man den Teilnehmer während des Ferienlagers im Notfall erreichen?
- Wann und wie häufig können die Teilnehmer telefonieren?
- Wie ist der Umgang mit Suchtmitteln (Zigaretten, Alkohol, Drogen, etc.) für die Teilnehmer geregelt? Gibt es Kontrollen (in welcher Form)?
- Wie ist der Umgang mit Suchtmitteln für die Betreuer geregelt?
- Was passiert bei andauerndem Schlechtwetter (bspw. bei einem Zeltlager)?
- Wie geht der Anbieter mit Verstößen gegen Regeln und Weisungen vor? Was passiert, falls ein Teilnehmer nach Hause geschickt wird?
- Ist die Integration behinderter Mitmenschen möglich?
Gesundheit und Emotionen
- Wie wird die gesundheitliche Versorgung der Teilnehmer gewährleistet?
- Wie und wann werden die Eltern bei einer Verletzung informiert?
- Wie geht der Veranstalter mit Heimweh um?
- Ob und welche Änderungen der Situation können vorgenommen werden, wenn sich der Teilnehmer nicht wohl fühlt?
Die Betreuer
- Wie groß ist das Betreuer-Teilnehmer-Verhältnis?
- Wer sind die Betreuer (sowohl männlich als auch weiblich)?
- Welche Schulungen und Erfahrungen haben die Betreuer?
- Wie werden die Betreuer ausgewählt?
Die Fahrt nach Hause und danach
- Wie werden die Eltern informiert, falls sich die Rückfahrt verzögert?
- Werden die Teilnehmer am Abhol-Treffpunkt weiterhin betreut, falls noch kein Elternteil anwesend ist?
- Gibt es ein Nachtreffen?
- Werden die Bilder, wenn überhaupt, frei verfügbar oder gesichert (bspw. durch ein Kennwort) ins Internet gestellt?
Tipps zum Schluss
Sollte man immer noch nicht genug über den Anbieter wissen oder noch letzte Zweifel bestehen bleiben, so sollte man sich beim jeweiligen Jugendamt vor Ort nach dem Anbieter erkundigen.
Wie man sein Kind, sich und den Anbieter auf eine Ferienfahrt vorbereitet
Dass eine Ferienfahrt gelingt, hängt nicht nur von dem Veranstalter ab, sondern auch davon, was sich der Teilnehmer von der Ferienfahrt erhofft und wie dieser, aber auch die Eltern auf die Ferienfahrt vorbereitet sind. Dazu zählt insbesondere:
- Die Anmeldeunterlagen sollten auf die genannten Punkte untersucht und noch offene Punkte mit dem Anbieter geklärt werden.
- Am besten vorher Ihr Kind bei einer Gruppenstunde eines lokalen Vereins anmelden. Ihr Kind lernt dort mit anderen Kindern zu spielen und ebenfalls die Interaktion mit verschiedenen Betreuern kennen.
- Ihr Kind wird nicht nur positive Erfahrungen (Spaß, neue Freunde und neue Erfahrungen, etc.), sondern auch mitunter Negatives – vor allem möglicherweise Heimweh auf der ersten Ferienfahrt – erleben. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber und wie es damit umgehen kann.
- Häufig ist es einfacher, wenn ein Freund oder eine Freundin bei derselben Ferienfahrt mitfährt.
- Stellen Sie sicher, dass Sie oder eine andere Ansprechperson während der Fahrt erreichbar sind. Teilen Sie dem Anbieter daher mit, wer wann wie erreichbar ist.
- Teilen Sie dem Veranstalter alle Besonderheiten (Krankheiten, Allergien, Bettnässen, Umgang mit Geld, etc.) Ihres Kindes mit, damit eine optimale Betreuung möglich ist.
Wenn etwas anders ist, als es sein sollte ...
Leider sind auch Kinder- und Jugendfahrten nicht frei von unerfreulichen Erlebnissen. Seien es kleine Raufereien, Hänseleien, der Diebstahl von Taschengeld, ein über den Zeltplatz hereinbrechendes Unwetter oder auch Unfälle. Daher sollten Sie auch mit dem Teilnehmer nach der Ferienfahrt darüber sprechen:
- Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es Ihnen alles erzählen kann, auch wenn ihm anderes erzählt oder angedroht wurde.
- Bekommen Sie den Verdacht, dass etwas Unrechtes passiert ist, sprechen Sie in Ruhe darüber. Nehmen Sie dann Kontakt mit den Betreuern, den Verantwortlichen vor Ort oder dem Verantwortlichen bei dem Anbieter auf.
- Gewinnen Sie den Eindruck, dass etwas passiert ist, dann holen Sie den Teilnehmer ab - teilen Sie dies auch den Verantwortlichen mit!
- Zögern Sie nicht notfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Sie können diese Auflistung auch als
Flyer